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Daten und Fakten: Kenia

Daten und Fakten: Kenia

Kenia, die Wiege der Menschheit, ist ein Vielvölkerstaat im wahrsten Sinne des Wortes: Im ostafrikanischen Land, das zwischen Viktoriasee und indischem Ozean, umgeben von Tansania und Uganda, Sudan, Äthiopien und Somalia liegt, leben 42 verschiedene Ethnien mit unterschiedlichsten Kulturen, Sprachen und Religionen.

Bevölkerung und Lebensstandard

Die Bevölkerung umfasst knapp 51 Millionen Menschen (stand 2018); gut 20 Millionen sind Kinder und Jugendliche im Alter von 0-14 Jahren und fast drei Viertel der Bevölkerung sind unter 30 Jahre alt. Dies stellt nebst HIV/Aids eine der grössten Herausforderungen für das instabile Land und den schwachen kenianischen Staat dar. Der Lebensstandard der kenianischen Bevölkerung ist seit der Unabhängigkeit 1963 stetig gesunken, die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 59.5 Jahren.

Über ¾ der Gesamtbevölkerung lebt in ländlichen Gebieten. Dies bedeutet oft: keine Kanalisation, erschwerter Zugang zu Wasser, Stromversorgung nur für Reiche, kaum Zugang zu medizinscher Versorgung, schlechte Hygiene, fehlende Aufklärung, fehlendes Essen. Die Menschen sind kaum oder schlecht gebildet, mehr als die Hälfte von ihnen lebt in bitterster Armut.

Schule, Bildung und Chancen auf Arbeit

Lediglich 5.51% des Bruttoinlandproduktes wendet Kenia für Bildung auf. Dies zeigt sich in den hoffnungslos überfüllten Schulklassen (80-100 Schulkinder) in der Primarschule, an mangelhafter Infrastruktur, fehlenden Wassertanks und Toiletten, kaum vorhandener Möblierung, Lehrermangel und schlechter didaktischer Ausbildung. Die „Nebenkosten“ für Schulbildung belastet die armen Haushalte enorm und führen zu verhältnismässig hohen Schulabbruchquoten bei beiden Geschlechtern. So besuchen nur mehr gut 55% der Kinder die Sekundarschule. 78% der Erwachsenen können gemäss offiziellen Angaben Lesen und Schreiben. Kenia hat afrikaweit den grössten informellen Sektor: fast 80% der Bevölkerung bringt sich mit Jobs im informellen Sektor durch. Zirka15% der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter haben ein regelmässiges Einkommen durch eine Anstellung; die Hälfte davon sind Staatsangestellte.

HIV/Aids

Gegenwärtig gelten 5.4% der erwachsenen kenianischen Bevölkerung als HIV-positiv. Gemäss offiziellen Zahlen werden knapp zwei Drittel medikamentös behandelt. Die regionalen Unterschiede in der HIV/Aids Prävalenz sind enorm. Die überwältigende Mehrheit der HIV-Infizierten lebt in abgelegenen, ländlichen Regionen, wo es keine für sie erschwingliche oder zugängliche Gesundheitsversorgung gibt.  Und der Zugang zu Medikamenten, ARVs und allgemeiner Gesundheitsversorgung ist für die Mehrheit der armutsbetroffenen HIV-Infizierten nicht gegeben. Sie können sich den Transport – meist  den Beisitz auf einem kleinen Töff –  nicht leisten, müssten jedoch regelmässig für das Abholen der Monatsration Medikamente in eine Gesundheitsstation und zur Kontrolle ihrer CD-4 Zellen Werte sogar ins Regionalspital fahren.

Zwei Beispiele aus den Regionen, in denen sich Aids & Kind engagiert: Im westkenianischen Bezirk Nyanza – abgelegen, strukturschwach, im Grenzgebiet zu Tansania, gelten 88% der Frauen zwischen 15 und 49 Jahren als HIV-positiv. Und die Region um Kakamega hat offiziell eine 6,8 %-ige Prävalenzrate – Fachleute vor Ort gehen aufgrund ihrer Arbeit davon aus, dass die Zahlen bei weitem nicht stimmen. Es besteht ein grosses Defizit in der systematischen und verlässlichen Datenerfassung – so weiss niemand, wie gross das Problem der Aidswaisen und Kinderhaushalte tatsächlich ist.

Korruption und Politik

Nepotismus und Korruption sämtlicher kenianischer Regierungen sind legendär und auch die gegenwärtige Regierung des Präsidenten Uhuru Kenyatta bildet keine Ausnahme. IWF und Weltbank sahen sich deswegen in der Vergangenheit bereits mehrmals gezwungen, dem Land die Unterstützung zu entziehen und US AID beendete im November 2017 die langjährige Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium. Kenia ist stark verschuldet, im grossen Stil von Hilfsgeldern abhängig. Das Wirtschaftswachstum stottert. Das Land verfügt über kritische Medien, aber die „Demokratie“ findet ausschliesslich über Wahlen statt. Dazu werden systematisch Stimmen gekauft, was bei grosser Armut und wenig Bildung vor allem zu kurzfristig erhöhten Umsätzen bei Anbietern von sonst unerschwinglichen Luxusgütern wie Coke, Fanta oder Zuckerrohrschnaps führt. Die Justiz funktioniert nicht als unabhängige Instanz: Richter auf sämtlichen Ebenen werden entweder bestochen oder – sollten sie sich als nicht käuflich erweisen – mit dem Tod bedroht und umgebracht.

Religion

Religion durchdringt und prägt den Alltag in Kenia wie in den meisten afrikanischen Ländern. 82,5 % der Kenianer sind Christen, davon sollen 47,4 % Protestanten und 23,3% Katholiken sein. Dabei handelt es sich aber auch um zahlreiche für unser Verständnis eher sektenähnliche Strömungen oder Freikirchen, wie sie in den USA üblicher sind. Im Land leben zudem gut 11% Muslims, einerseits die Nachfahren der arabischen Sklavenhändler, andererseits die Angehörigen der Volksgruppe der Somalis. Dazu kommen gut 2% indisch-stämmige Hindus, Sikhs, Bahais. Die restlichen gut 5% sind Anhänger der traditionell animistischen Glaubensrichtungen. Die Toleranz zwischen den einzelnen Glaubenskongregationen ist beeindruckend gross.