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MWANGAZA- Überleben, Hoffnung, Würde

Abgeschlossenes Projekt

Es ist besonders unerfreulich, wenn man ein gut geplantes, nach allen Regeln der Kunst lokal abgesichertes und sehr positiv wirkendes Projekt kurzfristig aufgrund von Sabotage, politischer Infiltration, Schutzgelderpressung und Gefahr für Leib und Leben schliessen muss.
Weil wir seit kurzem nicht mehr für die Sicherheit und körperliche Integrität unserer Angestellten und der Begünstigten in Rangwe garantieren können, unsere Infrastruktur wiederholt mutwillig aus der lokalen Kontext heraus zerstört wurde, entschlossen wir uns schweren Herzens, das Projekt MWANGAZA per Ende August 2016 zu schliessen. Damit ziehen wir uns im Jahr vor den Wahlen endgültig aus der instabilen und notorisch korrupten Region Homa Bay in der Provinz Nyanza zurück.
Wir sind uns der negativen Auswirkungen für die Begünstigten bewusst; der Hunger wird in ihren Alltag ebenso zurückkehren wie die Cholera, die Würmer, das Frieren und regelmässiges Krankheiten ohne Behandlung. Die politisch aufgeheizte Stimmung verunmöglichte leider jede nachhaltigere Alternative.

In Rangwe, einem kleinen, von der Welt vergessenen, armen und  abgelegenen Dorf im südwestlichen Kenia, ist jede und jeder von HIV/Aids betroffen. Die Prävalenz liegt hier bei fast 29 Prozent. Jede Familie in dem sehr stark armutsbetroffenen Dorf hat Aids in ihrem Haus. Die Menschen sterben hier nach wie vor daran – die Gründe dafür sind vielschichtig. Zum einen gibt es nur eine bescheidene Gesundheitsversorgung und die meisten HIV-positiven Menschen haben nach wie vor keinen Zugang zu den lebenswichtigen Medikamenten. Zum andern ist der Geisterglaube nach wie vor verbreitet und befeuert gnadenlos das Stigma, das aidsbetroffene Familie zu Ausgestossenen macht.

So bleiben viele Kinder eltern- und schutzlos zurück – und immer mehr von ihnen leben in Kinderhaushalten, bei gebrechlichen Grossmüttern oder bei rechtlosen Wittwen. Irgendwie müssen sie durchkommen, möchten zur Schule gehen, täglich etwas essen – lachen, spielen und träumen.

Aids & Kind hat daher ein Modellprojekt entwickelt, das wir an der Marienga Primary School umsetzen. Es besteht aus den folgenden Strängen:

  • Ernährung: 210 sorgfältig ausgewählte Kinder bekommen ein gesundes, warmes Mittagessen während der Schulzeiten.
  • Hygiene: Bau und Wartung von geschlechtergetrennten Toiletten mit Waschgelegenheiten. 100 menstruierende Mädchen erhalten Binden, damit sie die Schule regelmässig besuchen können.
  • Wasser:Unsere Regenwassertanks versorgen uns mit sauberem Wasser für die Schulspeisung und die Abgabe an die kInder.  So bleibt ihnen mehr Zeit für die Schularbeiten und zugleich sind die Kinder gesünder, da sie abends nach der Schule den Tagesbedarf an Wasser nach Hause nehmen. In Trockenzeiten und während Dürren können wir so den Ausbruch von Cholera und Typhus vermeiden.
  • Bildung: Primarschulkinder bekommen ihre Schuluniformen und wir berappen auch kleinere Gebühren, welche die Schule erhebt und wegen der viele Kinder der Schule fernbleiben müssen. Unsere beiden Lehrkräfte geben regelmässigen Nachhilfeunterricht und wir bezahlen die Sekundarschulgebühren für ausgewählte Kinder.
  • Gesundheit: Ein monatlicher Gesundheitscheck mit Behandlung der üblichsten Krankheiten, Adhärenzüberwachung und -begleitung der HIV-positiven Kinder, notfallmedizinische Versorgung an der Schule, Überweisungen und wo nötig Krankentransporte, Nachkontrolle und -betreuung, Impfkontrolle finden in unserem MWANGAZA Centre statt. Dazu kommen präventive Schwangerschafts- und HIV-Tests, sogenannte „Health talks“, Malariaprävention, Jiigers Behandlung und Prävention, Ringwurmprävention und die regelmässige Entwurmung.  Am jährlichen Gesundheitstag wird die ganze Schule untersucht,  behandelt und auf HIV getestet.
  • Haushaltbegleitung: Unsere Sozialarbeiterin besucht die Kinder regelmässig zu Hause, begleitet sie nahe udn hat ein offenes Ohr. Sie ist mit den Lehrkräften und dem medizinischen Team eng vernetzt. Viele der Kinder leben in einem sehr fragilen Kontext, der sich vom einen auf den anderen Tag dramatisch verändern kann. Die Kinder bekommen – je nach Bedarf – Kleider, Bettzeug, Sandalen und kleine Solarlampen.
  • Talentförderung: Spiel, Sport, Musizieren und Theaterspielen kommen an den kenianischen Schule – obwohl kulturell bedeutend – zu kurz. Kinder lernen dabei jedoch auch viele wichtige „Soft-Skills“ für ihre Zukunft. Darum haben wir unsere eigenen MWANGAZA Teams ausgewählt; die Kinder werden gefördert und gefordert, können an den regionalen Turnieren und Wettbewerben teilnehmen, kommen damit oftmals zum ersten Mal aus dem Dorf in die weitere Welt, haben Erfolgserlebnisse und erfahren Wertschätzung und Aufmerksamkeit.  Und einmal jährlich, am MWANGAZA Tag zeigen die Kinder ihrem Dorf , was sie alles können.

Projektziele

  • Aidswaisen in Rangwe besuchen die Primarschule regelmässig und schliessen diese mit dem Übertrittsexamen ab. Ihre Schulleistung verbessert sich, die Schulabbruchsrate verringert sich und gleicht sich derjenigen der Kinder mit intakter Familie an.
  • Die Gesundheitsversorgung und der allgemeine Gesundheitszustand der Aidswaisen verbessern sich.
  • Persönlichkeitsentwicklung und mentale Stärke der Kinder werden gezielt unterstützt.
  • Der Zugang zu Berufsbildung verbessert sich und der Einstieg ins Erwerbsleben vereinfacht sich für Aidswaisen aus Kinderhaushalten (Projektphase 3 ab 2020)
  • In den Kinderhaushalten der Aidswaisen steigt das Haushaltseinkommen (Projektphase 3 ab 2021).

Unsere Partner

Die Accentus Stiftung ermöglicht mit ihrer Unterstützung 2013 unter anderem den Aufbau von Regentanks an neun Schulen, zwei Gesundheitsstationen und neun ausgewählten, speziell verletzlichen Kinderhaushalten sowie eines Pilotprojekts zur Schulspeisung an der Marienga Primarschule des Dorfes, das Anfang Juni 2013 gestartet wurde.