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Sparen, Selbstbewusstsein und Stolz

Gesang heisst uns eintreten – das Chörli besteht aus den heute anwesenden elf Frauen des Spar und Leihzirkels in Nkambako. Einmal monatlich treffen sie sich bei Rose und verwalten ihr Geld. Sie alle haben Kinder, Brüder Schwester oder Ehemänner an Aids verloren und sorgen ohne ein regelmässiges Einkommen für viele Kinder.

Die Frauen gehen konzentriert zur Sache; Geld wird gezählt und wieder gezählt – vor aller Augen. Die Atmosphäre ist hochkonzentriert und es wird kaum gesprochen. Die jüngste Frau in der Runde mit der besten Schulbildung führt die Hefte ganz genau und kontrolliert. Die Beträge werden deutlich in die Runde gesprochen – gelebte Transparenz. Jede hat in einem kleinen Schulheft ihr eigenes Sparheft, dort werden ihre Beiträge eingetragen und jede hat sich verpflichtet, monatlich 100 Rand (zirka 8 Franken) einzulegen. Dafür erhält sie monatlich 10% Zins. Dies mag uns viel scheinen – die lokalen Geldleiher, auf die sie alle angewiesen sind, verlangen aber einen Wucherzins von 50% – was viele der bereits armen Familien wirklich in den Ruin treibt.

Zuerst wird diese Einlage geleistet. Dann zahlen die Frauen, deren Rückerstattungstermin heute ist, ihre Darlehen zurück. Nur einmal wird es kurz richtig laut. Eine der Frauen kann nicht zurückzahlen. Die Regeln besagen, dass es dann einen Strafzins gibt, den die Gruppe gemeinsam festlegt. Genau das wird nun ausdiskutiert. Dann geht das Geld auf den Tisch legen, Zählen und Rufen weiter, denn jede der Frauen legt nun auch ihr bis dato angespartes Vermögen auf den Tisch. Am Schluss liegen sagenhafte 32’420 Rand (mehr als 3000 Franken) vor uns –eine ungeheuere Summe in einer derart armen Gemeinde.

Das Spar-/Leihsystem ist als Notnagel für schwierige Situationen in HIV/Aids- betroffenen Haushalten gedacht, denn dort fallen höhere Ausgaben an. Damit es aber nachhaltig funktionieren kann, muss darin aber auch eine Wertschöpfung stattfinden. Darum freut es uns besonders, zu erfahren wie die Frauen ihr Geld einsetzen: nicht nur bezahlen sie Schulgeld, Uniformen und Material für ihre Kindern, können die abgebrannte Hütte der Mutter wieder aufbauen. Es gibt neu dank dieser Gruppe auch eine Hühnerzucht, ein kleines Nähatelier, das auf Auftrag arbeitet und sehr gut ausgelastet scheint. Eine der Frauen bäckt und verkauft Pfannekuchen und eine andere kann ihren Garten besser bestellen, weil sie das Geld für die Samen hat.

Der Stolz der Frauen füllt den Raum als sie erzählen. Nun beschliessen sie über die Kreditvergaben für diesen Monat. Interessanterweise kann nicht das gesamte Geld in Umlauf gebracht werden. Die Frauen diskutieren lange und beschliessen dann, dass das restliche Geld in gerechte Anteile für jede aufgeteilt wird und sie verpflichten sich, die 10% Zinsabgabe auf diesen Betrag zu leisten. Dann wird eine Frau als „Bank“ bestimmt, bei der das Geld bis kommenden Monat sicher verwahrt wird.

Jede der Gruppen funktioniert autonom – die Frauen bestimmen, wie hoch die monatliche Einlage sein soll. Das wiederum ist abhängig davon, wie viel die Frauen sich „leisten“ können. Es gibt Gruppen, die beschlossen haben, beim Tod eines Mitgliedes einen Teil der meist absurd hohen Begräbniskosten zu übernehmen und Gruppen, welche die Kinder der Verstorbenen unterstützen.

Beeindruckend ist Sarah, die uns fragt, was wir denn für wirklich arme Familien wie ihre Nachbarin tun könnten. Dabei meint sie nicht, wir sollten die Familie unterstützen, sondern fragt, ob es ein solches Spar- Leihschema auch für Menschen die de facto kein Geld haben, gebe. Bei unseren vier folgenden Hausbesuchen vertieft sich der Eindruck, dass Sarah einen wichtigen Punkt aufgebracht hat und wir diskutieren in der Folge, dass ein Versuch mit einem angepassten und veränderten System gemacht werden soll, bei dem wöchentlich lediglich 2 Rand eingelegt werden. Denn es geht nicht nur ums Geld – in solchen Gruppen kann die Isolation der einzelnen durchbrochen werden. Zusätzlich dazu kann ganz nebenbei im Training und während der einjährigen Gruppenbegleitung auch ganz anderes Wissen vermittelt werden.