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Unsere Wirkung in Mavele und Nkambako

Wir treffen die Grossmütter von Aidswaisen im Garten, den sie dank des Kurses von Aids & Kind bestellen können. Es sind wenige anwesend, obwohl unser Besuch angekündigt war. Der traditionelle Glaube besagt, dass  die Ernte vernichtet, wer nach einem Gewitter auf seinem Feld arbeitet und am Vorabend hatte ein heftiges Gewitter getobt, das die Stromversorgung der ganzen Region unterbrach. Die Grossmütter – gogos im lokalen Dialekt – sind stolz auf ihr grosses Feld auf dem Grundnahrungsmittel, Gemüse und Früchte in biologischem Anbau prächtig gedeihen. Sie erzählen, dass ihr Leben sich verbessert hat, seit sie mit dem Gemüse nicht nur ihr eigenes Essen produzieren sondern die Überproduktion verkaufen können. Dank dem verdienten Geld sind sie im lokalen, von Aids & Kind initiierten Spar – und Leihzirkel. Diese lokale Minibank für aidsbetroffene Haushalte funktioniert ohne Spesen und dank der grossen Solidarität.

Aids & Kind wirkt in den zwei sehr abgelegenen Dörfern Mavele und Nkambako, wo die Frauen fürs Wasserholen täglich 2 -3 Stunden brauchen, das Brennholz im Busch zusammengeklaubt wird und es keine Toiletten gibt. Entsprechend oft erkranken die Menschen an Durchfall. Aids ist allgegenwärtig; je ärmer  eine Familie ist, desto schlimmer die Auswirkungen. Meist leben die Frauen allein mit den Kindern in ärmlichen Hütten. Die Männer sind weg – suchen trotz der hohen Arbeitslosenrate einen Job in Johannesburg und leben dort perspektivlos in einer der vielen Slums. Vor Ort kann man mit Glück lediglich saisonal für ein paar wenige Rand pro Tag als Erntehelferin arbeiten.

Susan, die Mutter des 7-jährigen HIV-positiven, schüchternen Thomas wünscht sich nichts sehnlicher als das. Ihr Sohn ist HIV-positiv, sie selbst auch.  Sie sagt, ihre anderen Kinder seien nicht getestet, weil sie gesund seien. Thomas wirkt höchstens wie ein Fünfjähriger. Die retardierte  körperliche Entwicklung ist typisch für HIV-infizierte Kinder. Er bekommt  seit kurzem Aidsmedikamente, weil er aidskrank war und im Spital getestet wurde – noch ist er dünn, aber es gehe ihm besser, sagt Susan. Auf uns wirkt der Bub depressiv und in sich selbst zurückgezogen. In der lebhaften Kindergruppe spielt er nicht wirklich mit – er hockt am Boden und starrt still vor sich hin. Susan ist aussergewöhnlich, weil sie Initiative zeigt und nicht passiv auf einen staatlichen Zuschuss wartet. Sie hat bereits angefangen, ihr kleines Stück Land mit der Hacke umzugraben und für die Bepflanzung vorzubereiten. Die Sozialarbeiterinnen, die Susan im Auftrag von Aids & Kind begleiten, schulen sie in der Überwachung der lebenswichtige Medikamententreue und versprechen ihr Samen für den Garten.

Nach fünf verschiedenen Hausbesuchen sitzen wir zusammen mit unserer Partnerorganisation und diskutieren, was uns aufgefallen ist. Als Fremde sehen wir Dinge, die den Menschen vor Ort nicht mehr auffallen. Unsere Fragen sind sehr willkommen. Uns ist aufgefallen, dass die Grossmütter und Frauen meist allein in Haus und Garten arbeiten nicht auf Unterstützung der oft zahlreichen Mitbewohner und Kinder zählen können, die aber alle selbstverständlich von den Früchten der harten Arbeit profitieren. Uns stört dies, wir empfinden es als unfair. Wir fragen daher nach, ob die Idee, die identifizierten aidsbetroffenen Kinder in das Gartenprojekt und die Schulungen einzubeziehen, bereits diskutiert wurde. Und weisen darauf hin, dass dieses Wissen für die Kinder selbst äusserst wertvoll wäre, da ihre Grossmütter oder Mütter nicht mehr ewig leben werden. Schnell sind wir uns einig, die Kinder bereits ab kommendem Jahr in Anbaumethoden und Gartenarbeit zu unterrichten und mittels eines Wettbewerbes kleine Gärten von Kinder entstehen zu lassen.Diese sollen ihnen die Erfahrung ermöglichen, etwas eigenes zu haben, auf das sie stolz sein können. Und ihnen zeigen, dass sie aus eigener Kraft fähig sind, etwas an jene Menschen zurückzugeben, die mit ihren beschiedenen Pensionen dafür sorgen, dass sie Essen, Schuluniformen und ein Dach über dem Kopf haben. Ist die Idee erfolgreich, so wird der Gartenwettbewerb aidsbetroffene Kinder, ihre Grossmütter, Mütter oder Tanten zusätzlich stärken, ihr Leben spürbar verbessern und ihnen Schritt für Schritt Perspektiven eröffnen.