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Die Geschichte von Michael

Michael ist zwölf. Mit seiner Mutter und der kleineren Schwester lebt er in einer verfallenen Hütte in Nkambako. Die Wände  sind am einstürzen, die Fenster schon lange kaputt, gerade mal ein Raum hat noch ein halbwegs dichtes Dach. Der Junge ist viel zu klein für sein Alter und sehr mager, sein Bauch beginnt sich zu blähen. Apathisch liegt er auf einer schmutzigen Decke im spärlichen Schatten der Kochstelle. Sein Atem geht flach, er krümmt sich und hat offensichtlich Bauchschmerzen. Durchfall plagt ihn und er kann nichts bei sich behalten. Die Sonne brennt erbarmungslos und die Mutter ist weg.

Die Familie hat kein regelmässiges Einkommen; gelegentlich verdient die Mutter etwas als Erntehelferin. Lange hält das meist nicht vor – die Mutter vertrinkt den Verdienst und überlässt die Kinder oft lange Zeit sich selbst. Michael ist HIV-positiv, seine kleine Schwerster höchstwahrscheinlich ebenfalls und die Mutter sicher auch. Es ist ziemlich klar, dass er seine Medikamente nicht regelmässig einnimmt – obwohl er spezielle Proteinnahrung bekommt, die einfach anzurühren wäre.

Ohne die Gegenwart der Mutter können wir nichts für den Jungen tun. Die Dorfgemeinschaft versammelt sich, es wird immer lauter und aus dem nichts erscheinen immer mehr Frauen und Kinder; die Sozialarbeiterinnen Grace und Nelly werden nervös. Es ist unklar, ob man uns wohlgesinnt ist oder uns verjagen will. Wir können nichts tun, denn wenn wir dem Jungen jetzt ohne die Anwesenheit der Mutter helfen, heisst es schnell, wir hätten ihn verhext oder getötet. Das wiederum würde es unserem Partner CHoiCE zukünftig verunmöglichen, in diesem Dorf zu arbeiten. Obwohl sie die einzigen sind, die hier mit Genehmigung der traditionellen Dorfchefs Unterstützung, Nothilfe, Begleitung  und Aufklärung bringen.

Also wir beschliessen, zu gehen und instruieren die lokale Betreuerin genau. Da kommt die Mutter, die Dorfgemeinschaft hat sie aufgespürt. Sie ist offensichtlich aufgeregt und ärgerlich, ihr Ton aggressiv. Es gelingt, sie zu beruhigen; zuerst soll sie dem Kind etwas Brei anrühren – Michael will nicht essen. Als er nach gutem Zureden der Sozialarbeiterin doch versucht, erbricht er schnell. Das Bild wird immer klarer – das Kind muss dringend ins Spital. Grace ruft die Ambulanz und organisiert auch, dass die lokale Betreuungsperson jeden Tag genau kontrolliert und die kleine Schwester von Michael beaufsichtigt wird. Und sie sorgt dafür, dass die Mutter Geld für die Rückfahrt vom Spital bekommt. Sie wird hier in den kommenden Tagen viel zu tun haben hier. Denn es ist fraglich, ob die Mutter für ein aidskrankes Kind sorgen kann.

Michael wird vermutlich nur kurz im Spital an den Tropf gehängt um die Dehydrierung zu verhindern. Sicher wird danach gefragt, ober er die Medikamente nimmt. Nicht mehr, nicht weniger. Dann geht es zurück in die Misere, die Michael zu Hause nennt. Mit etwas Glück und viel Beharrlichkeit wird es Grace gelingen, dafür zu sorgen, dass Michael mit staatlicher Unterstützung fremdplatziert wird. Nur so hat er eine Chance.