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Literaturtipp: Die achte Plage

Für das Buch «Die achte Plage» erhielt der mehrfach preisgekrönte kenianische Autor Meja Mwangi 2001 den Jomo Kenyatta Award. Mwangi, Angehöriger der Volksgruppe der Kikuyu, beschreibt wort- und bildgewaltig, was Aids im Subshara-Afrika anrichtet und wie Gemeinschaft und Individuen darauf reagieren. Er siedelt die Handlung symbolträchtig im gottvergessenen, bitterarmen  Kaff «Kreuzung»  an – sie könnte in jedem der abgelegenen Dörfer spielen, die Aids & Kind auf den Projektreisen besucht.

Mwangi ist ein hervorragender Romancier, die Figuren sind packend, oft stellvertretend für ganze Bevölkerungsgruppen. Das Thema wird brilliant abgehandelt, es fehlen weder Leugnung noch Stigma in seiner ganzen Komplexität, man hört, fühlt und riecht Kenia beim Lesen. Janet, die unermüdliche Aufklärerin, allein im Kampf gegen die Seuche, die alles vernichtet und nur Waisenkinder zurück lässt. Sie steht symbolisch für die starken Frauen in Afrika, Mama Africa, die Familie und Gemeinschaft am Leben erhalten.

Die achte Plage zeigt auf, wie tief verwurzelte, kulturelle Normen die Ausbreitung des HI-Virus begünstigen. Unwissen, Verstocktheit, das aus europäischer Perspektive unglaubliche und unerträgliche Patriarchat, Korruption und Überforderung, die Rolle der Religion – all das verwoben mit exemplarischen Personen, die versehen sind mit Bauernschläue oder Ganovencharme, Witz und warmherzigem Humor, Aufrichtigkeit und Verzweiflung. Eine gelungene Allegorie und ein grossartiges Buch zum Thema. Aktuell wie eh und je. Erhältlich in Deutsch (Peter Hammer Verlag) und Englisch (East African Educational Publishers).