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Ein Tag im Leben von Sandalie (9) aus Johannesburg

Sandalie ist ein neunjähriges Mädchen, schüchtern und aufgeweckt zugleich. Sie lebt mit ihrer Mutter Irene, ihrer älteren Schwester Mpumi und dem kleinen Bruder Thabo in einer Wellblechhütte in einem der zahlreichen Slums von Johannesburg. Für uns erzählt sie ihre Geschichte.

„Ich bin froh, dass es Mama wieder etwas besser geht und sie wieder bei uns ist. Sie war bis vor kurzem im Krankenhaus. Da waren Mpumi, Thabo und ich ganz alleine. Ich konnte nicht zur Schule gehen, weil ich auf meinen kleinen Bruder Thabo aufpassen musste. Ich weiss nicht genau, was Mama hat, aber sie ist immer wieder sehr krank. Wenn es ihr schlecht geht, pflegen wir sie. Sie hustet und kann sich dann kaum mehr bewegen, liegt den ganzen Tag im Bett.“

Sandalie hat keinen Vater mehr. Er hatte seine Familie verlassen, als die Routineuntersuchung vor der Geburt von Thabo zeigte, dass seine Frau Irene HIV-positiv ist. Inzwischen ist er an Aids gestorben.

„Thabo und ich sind gesund. Mpumi geht es seit ein paar Wochen schlecht. Als Mama im Spital war, ist ein Mann, den wir nicht kennen in unsere Hütte eingedrungen. Seither weint meine Schwester oft und geht nicht mehr gerne zur Schule. Ich bin froh, dass manchmal Gwinny vorbeikommt. Sie hört uns zu, hilft uns. Ihr können wir erzählen, wie es uns geht.“

Gwinny ist die Sozialarbeiterin des Projekts SCPS, das Aids & Kind unterstützt. Sie ist eine kräftige und unerschrockene Frau. Das muss sie auch sein, denn es ist nicht ungefährlich, sich in den Slums von Sofiatown/Soweto zu bewegen – schon gar nicht als Frau. Gwinny wurde von den Fachleuten des Projektes PCPS psychologisch geschult. Sie hört den Menschen zu, hilft aber auch ganz konkret: Sie bringt Essen, schaut, dass Irene ihre Medikamente nimmt und hat auch den Transport ins Krankenhaus organisiert und bezahlt, als es Irene schlecht ging.

„Wir stehen auf, bevor es hell wird. Ich bin zuständig fürs Wasserholen. Wenn ich Glück habe, funktioniert die Wasserstelle, dann bin ich in kurzer Zeit wieder in der Hütte. Wir machen das Wasser auf dem Ofen heiss, den Mpumi unterdessen mit Holzabfällen eingeheizt hat. Wenn ich Pech habe, muss ich mit meinem Kanister durch die ganze Siedlung laufen – das ist gefährlich für ein Mädchen. Wenn ein Mann versucht, mich festzuhalten, renne ich schnell davon. Dabei muss ich schauen, dass ich den Kanister nicht verliere. Es nützt nichts um Hilfe zu rufen, es kommt keiner.“

Sozialarbeiterin Gwinny sorgt auch dafür, dass die Kinder in die Schule gehen können. Dazu brauchen sie Schuluniformen, die das Projekt SCPS bezahlt. Als Gwinny die Familie noch nicht besuchte, konnte Sandalie und ihre Schwester nicht in die Schule gehen: Ihre Mutter konnte das Geld für die Schuluniformen nicht aufbringen.

„Seit letztem Jahr gehe ich zur Schule. Der Schulweg ist weit, aber das macht mir nichts aus. Manchmal bekommen wir Geld für den Bus – dann kann ich einfach einsteigen und bin, hui, in 20 Minuten in der Schule. Ich mag vor allem die Geschichten, die uns die Lehrerin erzählt. Aber am liebsten habe ich es, wenn wir Lieder singen dürfen und dazu klatschen und tanzen. In der Schule ist es warm im Winter, wenn es bei uns in der Hütte kalt ist. Und die Lehrerinnen sind freundlich zu mir.

Der Heimweg ist gefährlich – vor allem, wenn es schon dunkel wird. Die Lehrerinnen raten uns, nie alleine unterwegs zu sein. So gehe ich wenn möglich mit meiner Schwester. Wir suchen auf dem Weg nach Holzresten für den Ofen. Wenn Geld da ist, kaufen wir etwas Maismehl, Haferflocken, Milch oder Hirse auf dem Weg. Dann gibt es abends etwas zu essen. Manchmal reicht es sogar für Gemüse oder eine Banane. Und wenn es Mutter gut geht, kocht sie selber, sonst übernimmt das Mpumi. Ich hole wieder das Wasser und mache den Abwasch. Solange es noch hell ist, machen wir in der Hütte sauber, geben Mama ihre Medikamente und versuchen, sie so zu lagern, dass ihre Schmerzen nicht so schlimm sind. Abends kann ich meist nicht lernen. Denn unser einziges Licht ist eine Kerosinlampe, und die können wir nicht jeden Abend anzünden – das kostet zu viel. 

Ich freue mich jeden Tag auf die Schule. Dort lerne ich lesen, schreiben und rechnen. Wenn ich gross bin, möchte ich in einem richtigen Haus leben, dafür lerne ich.“