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Jeder Tag ein Aids Tag

In der Schweiz ist die Behandlung aller HIV-positiven Menschen, ob Erwachsene oder Kinder, eine Selbstverständlichkeit. Und die Geburt von HIV-positiven Kindern ist in der Schweiz heute erfreulicherweise ein Ausnahmefall. Wird trotzdem ein Kind HIV-positiv geboren, hat es – im Gegensatz zu einem Kind in Subsahara Afrika – sehr gute Karten; seine Gesundheitsversorgung ist auf hohem Niveau garantiert.

Ganz anders in Afrika: Dort leben über 3.5 Millionen HIV-positive Kinder, das sind 91% der weltweit mit dem HI-Virus lebenden Kinder. Lediglich rund 51’000 oder nicht einmal 1,5% dieser Kinder haben Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten. Wenn die Infektion ihrer Eltern oder sorgenpflichtigen Verwandten bekannt wird, werden die Kinder und ihre Familien in ihrem Slum, Township oder Dorf oft ausgegrenzt und womöglich sogar aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Der Ausschluss aus der Gemeinschaft, ohne Hilfe, Schutz und Unterstützung bedeutet für betroffenen Frauen, Kinder oder Aids-Waisen oft Prostitution, Hunger oder den Tod.

Vor diesem Hintergrund sind die sich mehrenden Meldungen über punktuelle und systematische Missbräuche oder Fälschungen von ARVs im südlichen und östlichen Afrika alarmierend. Grundsätzlich ist die Abgabe von ARVs ohne Essen und sauberes Trinkwasser sinnlos, denn man muss die Medikamente aufgrund der Nebenwirkungen mit einer Mahlzeit einnehmen.

  • In Kenia verkaufen meist völlig verarmte, HIV-positive Frauen ihre ARVS zumindest teilweise im Unwissen über die Konsequenzen (Resistenzbildung, eigene Überlebenschancen),  um ihre Kinder vor dem Verhungern zu bewahren. Die „Reichen“, die ihre HIV-Infektion verbergen wollen und deshalb nicht in die Klinik gehen, sind ihre Kunden. Zudem verkaufen Ärzte und das Pflegepersonal in staatlichen Spitälern  ARVs nach Somalia, Südsudan oder Uganda und maximieren damit ihre persönlichen Profite.
  • In Tansania werden gefälschte ARVs ohne Wirkstoffe verkauft und abgegeben. Diese wurden im Oktober dieses Jahres sogar in den offiziellen Verteilkanälen entdeckt.
  • In Zimbabwe  haben fast 600’000 HIV-Positive mit einem kritischen CD-4 Zellen-Wert unter 250 keinen Zugang zu ARVs. Regelmässig werden Fälle von Lieferengpässen, sogenannten Stock-outs gemeldet, welche die zirka 680’000 ARV-Bezüger in Zimbabwe ganz direkt betreffen. Dasselbe passiert regelmässig auch in Südafrika, aktuellstes Beispiel ist die Provinz Limpopo. Die Medikamente bleiben zudem zu lange in zentralen Lagern liegen und erreichen die Apotheken und Spitäler entweder nach dem Ablaufdatum oder kurz davor.
  • ARVs aus den Spitälern Malawis werden nach Südafrika geschmuggelt, wo sie auf Lebensmittelmärkten an Südafrikaner und malawische Immigranten verkauft werden, die es aus Angst vor einer Ausweisung nicht wagen, die lokalen Gesundheitszentren zu kontaktieren.
  • Und in Südafrika werden systematische Einbrüche in Krankenhäuser verübt und Überfälle auf Patienten gemacht, um an deren ARVs zu kommen. Stocrin, ein ARV, ist ein Bestandteil der Modedroge Whoonga mit sehr hohem Suchtpotential (Siehe auch Beitrag SRF 1 zum Welt-Aids-Tag 2012).

Diese Beispiele zeigen, dass die Medikamente nur ein Element im komplexen im Kampf gegen HIV/Aids sind. Und dass es für komplexe Probleme keine einfachen Lösungen gibt. Darum legt die Stiftung Aids & Kind in ihren Projekten Wert auf einen holistischen Ansatz, der den Zugang zu sauberem Trinkwasser und Nahrung, Armutsbekämpfung, Bildungszugang, Stärkung der lokalen Gemeinschaften, der Haushaltvorstände und der betroffenen Kinder ebenso gewichtet wie die medizinische Versorgung und die Kontrolle der regelmässigen Einnahme von ARVs.