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70 Rappen werden zur Bürde

Hier ist die Armut drückend. Sie ist denn auch die grösste Sorge Elsie’s. Elsie ist 54 jährig, geschieden und lebt in einem Slum in Gonubi Farmers Hill bei East London in Südafrika. Ihre Hütte besteht aus Wellblech, Holz und Pappresten – was sich halt grade so finden lässt. Es ist kalt und regnet, sie bittet uns in den Vorraum der 1-Zimmerhütte, in dem ein altes Sofa steht. Sie selbst setzt sich auf einen umgedreht Plastikeimer. Ein kleiner Ofen reckt sein Rohr neckisch durch das Wellblechdach, es ist kalt, zugig und dunkel.

Elsie ist HIV+ und schaut nach drei Kindern. Ihre eigenen Töchter im Alter von elf und acht Jahren und eines der zwei Grosskinder, ein zweijähriger Junge, den sie liebevoll im Arm hält. Die Mädchen gehen in an die Nkwezana Schule, an der wir uns mit eine täglichen Frühstück für alle 700 Kinder, einem Pilotprojekt zur Lernunterstützung, einer Art Grundkurs zu Benimm für die Kleinsten und regelmässigen Gesundheitschecks für die Kinder engagieren.

Elsie arbeitet nicht, unter anderem, da sie wegen der HIV- Infektion und den Nebenwirkungen immer wieder krank ist. Sie wünscht sich aber nichts sehnlicher als Arbeit, denn die Armut ist drückend. Oft muss sie sich Geld borgen, um die kleine Gebühr von siebzig Rappen pro Kind aufzubringen, welche sie der Schule entrichten muss. Der markante Preisanstieg für das Paraffin, mit dem sie kocht macht ihr ebenso zu schaffen, wie die Verteuerung der Nahrungsmittel. Und ihre Elfjährige begann vor kurzem, zu menstruieren. Das bedeutet zusätzliche Kosten für die Binden – jeden Monat. Sie weiss noch nicht, wie sie damit zurechtkommen soll, denn die vier leben von drei Kinderrenten – total monatlich 81 Franken und es reicht jetzt schon nirgends hin.

Keiner spricht hier über HIV und Aids. Wenn sie Nachbarn oder Bekannte trifft in der HIV-Station, dann schauen alle weg und jeder versteckt schnell seine Medikamente. Denn was nicht benannt ist, kann nicht existieren. Mit deshalb ist das Schweigen rund um HIV und Aids so laut. Auch Elsie findet es unnötig, darüber reden: Aber sie ist sehr froh, dass sie einer der Haushalte in unserem lokalen Programm „Lichtblicke“ ist. Das garantiert die Besuche des Sozialarbeiters und das Gefühl, dass sich jemand um sie kümmert. Was ihr die Kraft gibt, weiter zu machen, ihre Medikamente regelmässig zu nehmen, die zerrissenen Kleider der Kinder noch einmal zu flicken, für eine tägliche Mahlzeit zu sorgen und liebevoll mit ihren Kindern umzugehen.