Spenden Sie jetzt.
Helfen Sie hier.

Neun Leben

Cindy Hllongwana, Mitte zwanzig, wohnt mit 2 Brüdern und 8 Kindern in einer kleinen blechdachgedeckten Häuschen in einer für Frauen eher gefährlichen Ecke Sowetos. Vergewaltigungen sind häufig hier – was es nicht einfacher macht, junge Mädchen zu betreuen; entsprechend erzählt uns Cindy auch gleich davon, dass es sie nervös macht, dass ihre Mädchen immer aus dem Haus seien. Einer ihrer Brüder geht noch zur Schule, der andere ist Schulabbrecher, der hie und da Gelegenheitsjobs erledigen kann. Cindy hat drei eigene Kinder, zwei weitere sind die Kinder ihrer Schwester, die an Aids verstarb. Diese beiden Mädchen sind im von Aids & Kind initiierten und unterstützten Khula Nathi Programm. Sie sind 15 respektive 11 Jahr alt und gehen in die 8. und 9. Klasse.

neun-leben

Cindy, die junge Mutter, hat sich damit abgefunden keine eigene Perspektive zu haben. Ihre ganze Kraft legt sie in die Hoffnung und Unterstützung ihrer Kinder. Sie sollen es schaffen, raus aus der Armut – der einzige Weg, den Cindy sieht, ist ihre Bildung. Sie selbst hat den Schulabschluss nach 12 Jahren bestanden und hätte zur Uni gehen können. Aber sie scheint vom Pech verfolgt; erst wurde sie selber schwanger und dann starb ihre Schwester an Aids und liess die beiden Vollwaisen zurück. Bis vor einer Woche hatte Cindy noch einen Job bei einem der zahlreichen Telefonkiosk. Cindy ist aufgeweckt, selbstsicher und kontaktfreudig und benennt die Dinge. Eine sympathische, junge Frau, fast selbst noch ein Kind – auf der die Bürde von 9 Leben lastet.

Die Mädchen haben im Gegensatz zu Cindy Mühe damit, sich in Englisch auszudrücken. Am meisten gefällt ihnen die Geduld und die Freundlichkeit, die ihnen die Lehrer im Nachhilfeprojekt entgegen bringen. Es wird immer wieder erklärt, damit die Kinder lernen, was es zum lernen braucht. Sie erzählen stolz, dass sie bessere Noten in Mathe nach Hause bringen. Auf die Nachfrage unsererseits erzählen sie, dass es in Mathe um Addition und Substaraktion, Multiplikation und Division gehe. Offenbar wissen die Lehrer, dass die Mädchen in einem Nachhilfeprogramm sind und vergeben deshalb bessere Noten. Denn unsere Evaluation zeigt, dass ein an sich eher enttäuschender, kleiner messbarer Könnens- und Wissenszuwachs erfolgte. Aber auch die Lehrer sind unter Druck, denn sie haben die Vorgabe, die Kinder einfach durchzuwinken und in die nächst höhere Klasse zu bringen.

Etwas anderes allerdings bekommen die Kinder in Khula Nahti mit- und das ist nicht zu unterschätzen: Sie lernen die Neugierde und sie haben Freunde gewonnen. Sie erfahren Zuwendung, haben Erfolgserlebnisse, lernen Freude und Spass am Lernen zu haben. Auch die Schuluniformen, die Schuhe und wo nötig das Geld für Stifte und Hefte bekommen die Familien – die Budgetentlastung ist nicht zu unterschätzen. Und jedes Kind, das im Nachhilfeprogramm ist, wird auch psychotherapeutisch begleitet. Wo es geht, versuchen wir, den für so viele Kinder verantwortlichen Frauen zu einem Einkommen zu verhelfen.

Zusätzlich dazu lernen die Eltern, etwas mehr Verantwortung wahrzunehmen. Sie kennen unterdessen die Namen der verantwortlichen Lehrkräfte, nehmen Termine an der Schule wahr und holen das Zeugnis ab. Das war nicht immer so – und Cindy ist eine seltene Ausnahme. Denn sie kümmert sich um ihre Kinder. Tragischerweise ist genau dies der Grund für die Kündigung ihres so wichtigen Jobs: obwohl sie seit sechs Jahren für den Telefonkiosk arbeitet, wurde ihr gekündigt, weil sie wegen der zahlreichen Schultermine immer wieder weg ist. Wir unsererseits wollen dafür sorgend, dass Cindy eine Berufsausbildung bekommt mit der sie sich unabhängiger ein regelmässiges Einkommen verschaffen kann.